Wissenschaftliche Politikberatung und Demokratie am Beispiel von Corona

Im Umgang mit dem Corona-Virus und seinen Varianten rückt die Einsicht in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit, dass politische Entscheidungsträger:innen immer häufiger und folgenschwerer von wissenschaftlichen Erkenntnissen abhängen, die zu überprüfen sie selbst außerstande sind. Ohne Fachgutachten, Expert:in oder Zeitschriftenzitat im Rücken würden die Politiker:innen im politischen Betrieb gar nicht mehr ernst- oder wahrgenommen. Dabei fransen die Konturen einer Expertise umso mehr aus, je jünger ein Forschungsgegenstand ist und je mehr Forschungsfelder sich mit ihm befassen. Zu Covid19 sind das neben der allgegenwärtigen Ökonomie und Politologie unter anderem die Virologie, die Epidemiologie, die Kardiologie, die Soziologie, die Psychologie oder auch die pharmazeutische Chemie. Jedes Forschungsfeld steuert seine eigene Perspektive auf den Gegenstand bei, aus deren Gesamtsicht sich nur in den allerseltensten Fällen Handlungsvorgaben unisono ableiten lassen.

In seinem viel beachteten Corona-Buch hat der Verfassungsrichter a.D. Professor Dr. Dr. Udo Di Fabio in diesem Zusammenhang eine Reflexion auf die Grenzen der Systemrationalitäten, auch denen der Wissenschaft, des Rechts sowie der Politik und der Wirtschaft angeregt. Was das für unser Verständnis von Wissenschaft und Demokratie bedeutet, wollen wir mit Professor Dr. Dr. Di Fabio am Samstag, dem 5. März ab 10:00 Uhr am Beispiel von Corona online diskutieren und klären, inwieweit die Abhängigkeit der Politik von der Wissenschaft, also des Gesetzgebers von nicht gewählten Expert:innen vereinbar ist mit den demokratischen Grundsätzen des Grundgesetzes, bzw. welche Spielräume unsere Verfassung außerparlamentarischen Expertisen (Kommissionen, Räten usw.) bei der Gesetzgebung lässt.