Der Staat hinterm Mond

Artemis, die Mondgöttin, muss mit ihrem (geistes-) wissenschaftlichen Namen das Ansinnen eines nationalen Forschungsinstitutes eskamotieren, das im Schatten der Wissenschaft auf keine internationale, auch nicht globale, sondern auf eine lunare Durchsetzung von Machtinteressen drängt. Es gehört leider nicht viel Phantasie dazu, das sich derart dreist gebärendes Institute zu erraten. Da ist die Menge der in Frage kommenden Einrichtungen einfach zu überschaubar. Die Nation? USA, na klar! Das Institut? Die NASA, wer sonst!

Mit den Artemis Accords geht es den Vereinigten Staaten angeblich um transparente Weltraumforschung und den gegenseitigen Beistand im Weltall. Im Kleingedruckten geht es aber um die Kolonialisierung des Erdtrabanten. Angewandte Wissenschaft ist kaum einen Lendenschurz für die sogenannte Verwertung der Forschung. Die soll nämlich in zugeteilten Parzellen erfolgen, damit ein ungestörtes Arbeiten auf dem Mond möglich ist. Ungestört arbeiten? Dass es dabei nicht um Start Ups und Mondstein-Manufakturen geht, sondern um eine mächtige Montanindustrie, ist natürlich eine bösartige Unterstellung. Genauso wie der natürliche Altruismus und die konstitutionelle Philanthropie der Amerikaner, unter deren Vorgabe sie sich mit rohstoffarmen Flächen begnügen werden.

Dreist sind die Accords aber auch aus zwei völkerrechtlichen Gründen. Denn das Ansinnen der NASA verstößt erstens glasklar gegen internationales Recht und zweitens sind Vertragsparteien ausschließlich Staaten oder supranationale Gemeinschaften. Zum ersten Grund: Der Weltraumvertrag von 1967 erklärt eindeutig das zur Allmende, was der 51. Staat von Amerika werden soll: den Mond. Völkerrechtler vermuten nun, dass die Artemis Accords der erste Schub in einer schubweisen Erosion des Vertrages darstellen, um nach und nach Eigentumsrechte an Mondgrundstücken hoffähig zu machen. Zum zweiten Grund: hier er überschreitet ein Forschungsinstitut eindeutig seine Kompetenzen. Das kann die NASA nur, weil die Grundfinanzierung stimmt – im Unterschied zu der der Unesco. Wer unterschreibt, bekommt ein paar Brotkrumen vom Kuchen ab. Danke! Derweil soll, so heißt es in unterrichteten Kreisen, am CERN die Eigentumsverhältnisse wo nicht an Elementen, dann an subatomaren Elementarteilchen auf Staatenebene verhandelt werden.