Das Onkogen der Wissenschaftspolitik

Die Angst vor den Genen liegt tief eingegraben in den Genen der grünen Landtagsfraktion, die sie in Stuttgart in nur zwei Jahrzehnten zur größten Fraktion gemendelt haben. Dort angekommen will die Fraktion nun die politische Auslese selbst in die Hand nehmen und stoppte ein bereits aufgelegtes Förderprogramm für Gentechnik in der Landwirtschaft. Angeblich, weil Freilandversuche unkontrollierbar und nicht mehr rückholbar seien – ganz wie die Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Man fragt sich manchmal schon, ob die Friedens- und Umweltbewegung im Freilandversuch damals zu verantworten war, schließlich sind aus ihr die Grünen hervorgegangen, die die politische Landschaft dauerhaft umgestaltet haben.

Inzwischen erklären die Grünen ungeniert Wissenschaft und Technik zum Ökosystem ihrognaden, das partout keine Veränderung erfahren dürfe, zumindest keine, bei der die Partei ihre Mehrheit einbüßen könnte. So schnell vollzieht sich der Wandel von provokativen Turnschuhministern zu konservativen Bürstenschnittministerpräsidenten. Letzteren ist klar, dass die Stabilität eines Ökosystems wesentlich durch dessen Umfang und Wechselwirkung mit anderen Ökosystemen definiert wird. Ihre Grenzen sind also mobiler, als es gerne suggeriert wird, denn das Ökosystem Wissenschaft der Grünen scheint keinesfalls ein offenes System zu sein.

Doch Schöpfungsbewahrer aufgepasst: Gentechnik ist nur der industriell verlängerte Arm der Züchter und Hybridisierer. Bei denen ist Charles Darwin bekanntlich in die Schule gegangen. Die Theorie von der Entstehung der Arten verdankt diesem Vorläufer des Forschungspraktikums wesentliche Impulse. Industriell meint: statt Triebe aufzupfropfen und Pollen auf Narben zu übertragen, die ohne die lenkende Hand der Züchter ihren Weg dorthin nicht gefunden hätten, bewirkt man die gewünschten Veränderungen direkt auf molekularer Ebene. Das Ergebnis ist dasselbe.

Hier von einem Frontalangriff auf den ökologischen Landbau zu sprechen, ist Zeugnis von gnadenlos Unverständigen und unheimlichen Wendehälsen: Bio-Weinbau kommt regenerativer Atomkraft gleich. Das muss man begriffliche erstmal aushalten können. Wendet man den Hals wieder zurück, dann sieht man: Die Landwirtschaft klimafest machen, Ernteerträge in Dürrezeiten sichern, schnell wachsende CO2-Speicher und Energieträger gewinnen oder verseuchte Böden biologisch rekultivieren, das wird nicht oder nur zu spät gelingen, wenn man nach bloßem Versuch und Irrtum vorgeht. Das müsste der Landtagsfraktion der Grünen doch einleuchten, bevor der Wähler seinen Irrtum an der Wahlurne korrigieren wird.

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