Studierendenmobilität von Pandemie ausgebremst

Zum Ende des ersten Pandemie-Semesters liegen auch schon erste Studien vor zu deren Auswirkungen auf die Hochschulen. Regionale Unterschiede berücksichtigt die Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nur auf der Ebene von Staaten, nicht auf der von Bundesländern.

Laut DAAD haben 80.000 Studierende wegen Corona Deutschland in Richtung Heimat verlassen, während umgekehrt 8.500 deutsche Studierende aus dem Ausland eben dorthin zurückgekehrt sind. Insgesamt verlaufen die Studierendenwanderungen in der Pandemie von West nach Ost: Aus Spanien und Frankreich zogen die deutschen Studierenden ab nach Deutschland, von wo asiatische Studierende hauptsächlich nach China zurückgingen. Immerhin 55 Prozent der Rückkehrenden aus Deutschland wurde die Rückzahlung der Studiengebühren angeboten, wohingegen von den Rückkehrenden aus den USA nur vier Prozent ein solches Angebot erhielten.

Dabei gibt ein Drittel der Hochschulen an, dass die Hälfte der Studierenden gar nicht erst gekommen bzw. gegangen ist. Über ein Fünftel der Hochschulen hat gar sämtliche Austauschprogramme eingestellt – dennoch haben immerhin ein Drittel der Marketingreisen ins Ausland stattgefunden. Da müssen sich die Hochschulen schon die Frage gefallen lassen, ob sie ihre Prioritäten im Zusammenhang mit Corona richtig setzen. Es nur schwer nachvollziehbar, weshalb die Hochschulen dichtmachen, Gebäude, Büros und Bibliotheken schließen, um die Ausbreitung der Pandemie vom Campus zu bannen, gleichzeitig aber durch die Hintertür den Virus als Importgut hereinspazieren lassen.

Ein solches Verhalten zementiert die Krise festgefahrene Hierarchien an Hochschulen, an deren Spitze sich die ProfessorInnen sonnen, in deren Schatten die Studierenden den bloß geduldeten Bodensatz bilden. Sie, die Studierenden sind es, deren Lehrveranstaltungen ausfallen (an 40 Prozent der Hochschulen) oder unter messbaren Qualitätsverlust in virtuelle Module umgewandelt werden. Immerhin fast die Hälfte der Hochschulen hat ihr Lehrangebote vollständig ins Internet verlagert – in den USA ist es noch einmal die Hälfte mehr! Diese Fehlallokation kann freilich nicht allein den ProfessorInnen angelastet werden, fordert aber in Senaten, Hochschulräten und Landesparlamenten eine weiter vorausschauende Politik mit proaktiven Ansätzen.

Die Fehlallokation zu Ungunsten der Studierenden kann weder abgemildert und schon gleich gar nicht ausgeglichen werden damit , dass die Benotungsmaßstäbe angepasst werden – was erfreulicherweise nur sieben Prozent der deutschen Hochschulen getan haben. Es bleibt zu hoffen, dass diesbezüglich die Vereinigten Staaten nicht – wieder – zum Vorbild werden. Dort haben 76 Prozent der Hochschulen den Notenschlüssel abgesenkt. Einschränkend allerdings muss bedacht werden, dass die Studie des DAAD bestentfalls das Ausgangsbild der Pandemie an Hochschulen einfangen kann, weil über die Hälfte der Hochschulen in Deutschland den Semesterstart eben wegen der Pandemie nach hinten verschoben hat. Es werden wohl aussagekräftigere Studien folgen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.