Hochschulverband zur Finanzierung von Universitäten

Sie sind viele – jung, begabt und ehrgeizig, vor allem aber günstig, die Nachwuchswissenschaftler, mit denen die Universitäten bei anhaltend hohen Studierendenzahlen die steigenden Ausgaben für ihre Grundstücke und Gebäude kompensieren. Sie sind günstig und befristet beschäftigt, auch weil die Grundfinanzierung der Universitäten schwindet und die Finanzierung zusehends aus schlecht planbaren Drittmitteln erfolgt. Die Nachwuchswissenschaftler dürfen an den Universitäten forschen. Die Lehre profitiert nicht von ihrem Zustrom.

Nur noch etwas mehr als die Hälfte ihrer Finanzmittel geben Universitäten inzwischen für die Lehre aus; vor zwanzig Jahren waren es noch 60 Prozent. Die Universitäten konzentrieren sich aufs Forschen, während noch mehr junge, begabte und ehrgeizige Menschen in die Lehrsäle strömen. Im genannten Zeitraum ist die Studierendenzahl um 40 Prozent gestiegen. Baden-Württemberg zählt derzeit 208.000 Studierende, was ein Plus von 20 Prozent bedeutet. 20 Prozent mehr Personal verzeichnen auch die Universitäten im Südwesten. Der Zuwachs speist sich hauptsächlich aus Wissenschaftlern (+50 Prozent). An baden-württembergischen Universitäten kommt jetzt ein Wissenschaftler auf zwei Nicht-Wissenschaftler (+7 Prozent). 1995 kam hier ein Wissenschaftler noch auf drei Nicht-Wissenschaftler.

Die Forschungslastigkeit deutscher Universitäten schlägt sich nieder in der Publikationswut. Die ist bundesweit um 70 Prozent angeschwollen. Auf Baden-Württemberg gemünzt sind aus 10.000 Publikationen im Jahr 16.000 geworden. Auf einen Professor entfallen nunmehr fünf Publikationen. Das ist weiterhin mit Abstand die höchste professorale Produktivität in Deutschland. Bezogen auf Wissenschaftler insgesamt befindet sich Baden-Württemberg dagegen im Mittelfeld. Da sind die bremischen Wissenschaftler produktiver: mit 1,12 Publikationen im Jahr sind sie fast so produktiv wie ihre Kollegen an außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Bringt man Haushalt und Produktivität auf einen Nenner, dann kostet in Baden-Württemberg eine Publikation 230.000 Euro. Denn die neun baden-württembergischen Universitäten verfügen zusammen über knapp sechs Milliarden Euro. 3,7 Milliarden Euro wiegt das Personal, das zwar um 85 Prozent zugenommen hat, aber satte 55 Prozentpunkte unter dem Zuwachs der Ausgaben für Grundstücke,  Gebäude und Anlagen liegt. Die ungleiche Zunahme deutet darauf hin, dass von den vielen Personalstellen die eine oder andere unter den Sachkosten verbucht wird.

In diesem Zusammenhang ist der Haushaltstitel der Drittmittel aufschlussreich. Denn bei deren Verwendung dürfen die Empfängerinnen kreativer sein als bei der anständigen Besoldung von Universitätsangestellten. Denn auch das Drittmittelaufkommen ist gestiegen. Exorbitant gestiegen. Deutlich stärker jedenfalls als die Einnahmen der Universitäten insgesamt. Und ganz besonders in Baden-Württemberg, wo der Drittmittelanteil sich in weniger als zehn Jahren verdoppelt hat. Vor allem die Industrie sprudelt im Südwesten erquicklich: 820 Millionen Euro Drittmittel bedeuten eine Verdreifachung der privaten Drittmittel. Dass auch die öffentlichen Drittmittel mit 170 Prozent eine enorme Steigerungsrate verzeichnen, dürfte mit an der erfolgreichen Teilnahme der baden-württembergischen Universitäten an der Exzellenzinitiative liegen. Das würde auch erklären, warum der Anteil des Bundes an öffentlichen Drittmitteln mit 90 Prozent stärker angestiegen ist als der des Landes (60 Prozent), während die Förderung durch die EU konstant geblieben ist.

Doch nicht nur in Baden-Württemberg wächst die Abhängigkeit der Universitäten von Drittmitteln. Bundesweit ist der Grundfinanzierungsanteil unverantwortbar geschrumpft. Die Universitäten bekommen vor allem den finanziellen Rückzug der Länder schmerzhaft zu spüren. Die vordergründigen Aufwüchse ihrer Haushalte halten bei weitem nicht Schritt mit dem Zuwachs an Aufgaben. Deren Bewältigung übertragen die Universitäten jungen, motivierten und vor allem günstigen Nachwuchskräften, die gegen alle Trends in der Universitätsfinanzierung an eine Entfristung ihrer Verträge zu glauben scheinen. Und doch, trotz ihres selbstlosen Einsatzes für die Alma Mater verteuert sich das Studium: bis 2006 kostete ein Studierender höchstens 11.200 Euro, seitdem sind es mindestens 12.000 Euro.

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