Elite-Universitäten international

Zwei von drei Preisträgern des ‚Internationalen Forschungs-Marketing‘ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kommen aus Baden-Württemberg. Die beiden Elite-Universitäten Heidelberg und Tübingen bekommen jeweils 75000 Euro, um sich auf dem internationalen Forschungsparkett sichtbar zu machen. Denn Deutschland braucht einen Platz an der Sonne, zumindest in den vorderen Rängen internationaler Hochschul-Rankings.

 

Mit ‚Top Science Attracts Top Scientists‘ will die Universität Heidelberg herausragende Lebenswissenschaftler aus der ganzen Welt in die Kurpfalz locken. Anhand der Ergebnisse aus einer Umfrage hat sie sich ein attraktives Arbeitgeberprofil geschnitzt und gleich umgesetzt in einer Werbebroschüre, die nun in den Vereinigten Staaten erprobt werden soll.

 

Die Exzellenz-Schwester aus Tübingen geht mit gefüllter Marketingkasse auf eine ‚World Tour 2015‘, um in sechs Zielländern mittels Workshops Kooperationspartner für die schwäbische Universität zu gewinnen. Eine virtuelle Forschungslandkarte wird – für alle sichtbar – aufzeigen, welche Tübinger Forscher mit wem worüber forschen.

 

Dass aus den 21 Bewerbern zwei Elite-Universitäten ausgezeichnet werden, überrascht wenig. Die DFG setzt damit ihren Weg der Exzellenzifizierung der deutschen Hochschullandschaft konsequent fort. Diejenigen Universitäten, die im Zuge der Exzellenz-Initiative bereits mit Fördermillionen ausgestattet wurden, damit sie sich national abheben von gewöhnlichen Standard-Unis, erhalten zusätzliche Mittel, damit sie über die Grenzen hinaus wahrgenommen werden.

 

Nun mag man angesichts des Eliten-Selbstläufertums darüber streiten, ob die Elite-Universitäten deshalb überproportional viele Gutachter in der DFG stellen, weil sie exzellent sind, oder ob sie deshalb Exzellenz-Status genießen, weil sie überproportional viele Gutachter in der DFG stellen. Unstrittig ist jedenfalls, dass die Exzellenzifizierung langfristig ein Zwei-Klassen-System unter den Universitäten etablieren wird.

 

Ein solches Zwei-Klassen-System widerspricht dem Gedanken der Wissenschaft und sollte von den Forschungseinrichtungen abgestoßen werden wie ein Fremdkörper. Wo eine Klasse von Forschern über die andere dominiert, entsteht eine intellektuelle Monokultur, ein Gruppendenken, das sich an den eigenen Maßstäben orientiert, andere fruchtbare Entwicklungen systematisch ausblendet und sie aufgrund ihrer Dominanz im Keime erstickt.

 

Dass das Zwei-Klassen-System nicht in Bausch und Bogen verworfen wird, liegt daran, dass die Universitäten, die in der Exzellenz-Initiative noch nicht zum Zuge gekommen sind, sich Hoffnung machen, dass in einer der nächsten Runden ihre exzellenten Leistungen entdeckt und sie in den Zirkel der Eliten aufgenommen werden. Erst wenn sich die Ernüchterung breitmacht, dass das System zementiert ist, die Selbstläufer davongelaufen sind, ist mit einem akademischen Klassenkampf zu rechnen von Universitäten zweiter Klasse gegen Universitäten erster Klasse.

 

Dieser Klassenkampf fällt dann vermutlich auch unter die von der Wissenschaftsfreiheit gedeckte Selbstverwaltung der Hochschulen, angeführt von der Hochschulrektorenkonferenz – und der DFG, versteht sich. Ein ziviles Mitspracherecht werden sich die Forschungseinrichtungen verbitten. Schließlich verstehen die von Wissenschaft am meisten. Wir erinnern uns: es war die DFG zusammen mit der Max-Planck-Gesellschaft, die sich gegen die paritätische Mitbestimmung an Hochschulen stemmten, und die die Bundesregierung aufgefordert hatten, gegen den Widerstand der Bevölkerung den Bau von Atommeilern durchzusetzen.

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